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Eins meiner schönsten Rituale ist es, morgens eine Gartenrunde zu machen. Ich begrüße alle Büsche und Stauden, freue mich über ihr Wachsen und neuerdings über viele neue Blütenknospen. An der Pergola haben sich einige Rankpflanzen selbst ausgesät und begleiten nun meine beiden Clematis und zwei neue schwarzäugige Susannen. Die Hochbeete sind voller Gemüsepflanzen und diesmal - so hab ich mir geschworen - gibt´s wirklich nur e i n e Zucchini ;-)   

       

Zum ersten Mal in seinen 5 Jahren zeigt mein von den Vorgängern übernommener Apfel (Boskop) riesige Blüten. Ich soll sie wohl auf keinen Fall übersehen, denn ich habe ihm ausgiebig gedroht, dass er weichen muss, wenn er nicht bald in die Puschen kommt. Meine kleine Birne und die Schattenmorelle auf der Veranda haben zierliche Früchte angesetzt, genau wie die Beerenbüsche. Storchschnabel, Jakobsleiter knospen vor sich hin und riesige Lupinen schieben ihre Kerzen. Die Schwertlilien haben sich enorm vermehrt. 12 Blüten habe ich gezählt! Spirea und Schneeball blühen leuchtend weiß, genau wie meine zwei Jasmine - und das, obwohl sie mit Lausbefall zu kämpfen haben. So gibt es auch Trauriges immer mal: Ein Busch scheint aufzugeben und mein Perückenstrauchein tut sich nach dem Umpflanzen etwas schwer. Der Regen hat viele Bartnelken niedergedrückt. Im Garten geht es halt zu wie im Leben sonst auch. Nicht allem ist Erfolg beschieden ... Glücklicherweise habe ich inzwischen gelernt, dass ich hinschauen kann, wo ich will - und zum Freuen gibt es wahrlich genug. Meine Dahlien sind eingesetzt und sprühen vor Vitalität. Auch meine drei Tomatenstauden sind knallgrün und blühen. Das viele Hin-und-hertragen (nachts rein, tagsüber raus) hat sich gelohnt.  Ein Garten ist was Tolles!

Ist der Frühling nicht eine wundervolle Jahreszeit? 

 


              
Der Garten - Ein Ort im Inneren, wie im Äußeren ....

Alles fing an mit dem Schrebergarten meiner Eltern. Da gab es Kirschen und Äpfel, lila Flieder, der herrlich duftete, und jede Menge Blumenrabatten. Die Bauerngärten meiner Großmütter zeigten mir den vorwiegend nützlichen Aspekt. Da gab es vor allem Gemüse. Die Erbsenschoten palte ich genüsslich auf dem Deich aus, wo die Grashüpfer zirpten und die Frösche quakten. Damals gab es in den Wiesen noch unzählige Froschkinder und dementsprechend auch viel mehr Störche.

Heute verbindet mich der Garten mit der Natur. Er ist ein Ort, wo ich sie mitgestalte; wo ich auswähle, was wachsen und blühen soll. Der Garten fordert mich heraus, drängt nach Gestaltung und ist für mich ein Gleichnis für andere Bereiche meines Lebens, zum Beispiel mein Denken. Was mich stört, rupfe ich aus. Was mich freut, pflege ich.

Im Sommer 2016 habe ich meinen Garten in Lochau mit einem Gärtner neu gestaltet. Es sollte der Rasen sich in Wege, Plätze und Beete wandeln. Die Beerensträucher, die am Rand wuchsen, bauten wir weiter innen wieder ein und schufen so außen Platz für Sträucher wie Weigelie, Kolkwitzie und ihre vielen blühenden Kollegen. Im ersten Jahr habe ich mit einjährigen Blumen wie Cosmos, Bechermalven, Löwenmäulchen und Zinnien ein Blütenmeer gezaubert. Die haben meine frisch umgepflanzten Rosen allerdings fast verdeckt. Im zweiten Sommer (2017) bin ich damit etwas sparsamer umgegangen, damit sich die Rosen besser entfalten können. So bietet mein Garten jedes Jahr ein neues Bild, neue Herausforderungen und Freuden. 

Wieder beherzigte ich für Aussaat und Pflanzzeit die Ratschläge von Maria Thun. Mein Lieblingsgerät, die Durchziehhacke kommt zum Einsatz, sobald nach Regenfall der Boden abgetrocknet ist. Sie verschließt die Kapillaren im Boden, durch die sonst das darin enthaltene Wasser verdunsten würde, ohne den Pflanzen zu nützen.  Außerdem bleibt die Erde auf diese Weise locker und bietet dem Unkraut nicht so viele Möglichkeiten zum Einwurzeln.

Wege in geschwungenen Linien führen zu Plätzen, die zum Verweilen, Nachdenken und Lesen einladen. Möge die äußere ästhetische Form bei Besuchern und Betrachtenden innere Prozesse anstoßen und sie zu kreativem Ausdruck ver-führen. 

Es blüht und fruchtet wieder ... überall ...

 

 

 


 

   

 

Und dann setz ich mich mittenrein und schaue und lese und freue mich. Vielleicht habt ihr ja Lust mich zu besuchen. Bringt einfach euer Buch mit oder leiht euch eins aus meiner stattlichen Bibliothek ...