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Nein, es lässt sich nicht länger leugnen: Der Sommer mit seiner Blütenpracht, der Spätsommer mit Obstverwertung und Erntefreude macht mit niedrigen Nachttemperaturen Platz für den Herbst. Der Oktober hatte schon etwas von Novemberkühle und reichlich Regen. Endlich. Aber heute, 12.10. strahlt die Sonne zur Abwechslung und bringt nochmal die restlichen Rosen- und Zinnienblüten in Birgits Büchergarten zum Leuchten. Auch Löwenmäulchen und Cosmeen sind zäh genug um durchzuhalten und locken weiterhin Insekten an. 

   

Dabei sind zum Teil auch recht seltsame Wesen, die beim Insektenhotel nach dem Rechten sehen. Die kleinen Bohrlöcher sind weiterhin gut versiegelt und lassen mich neugierig werden, was sich da weiter tun wird.

Bergenie, Pfaffenhütchen und Zierapfel haben Herbstkleidung angelegt und "feuern" nochmal richtg ab,

                  

derweil die Kapuzinerkresse auf späte Entdeckungstour geht und auf meiner Kiesterrasse entlangkriecht. Statt die Pergola emporzuklimmen, umrankt sie lieber die Füße meiner Gartenbank. Einige Mohne haben sich ausgesät und Rosetten gebildet. Dies Jahr bin ich allerdings klüger als letztes Jahr und lasse sie nur wachsen, wo sie andere nicht behindern werden.  

    

Meine Dahlien sind trotz Vortreiben dies Jahr spät dran gewesen mit der Blüte. Jetzt verdecken sie aber mit Masse an Rosetten meine Kokardenblumen und manche Zinnien. Ich muss einsehen, dass mein Garten, der vor zwei Jahren so kahl und leer erschien, allmählich voll ist. Das bietet wieder neue Herausforderungen für Auswahl und Standort meiner Einjährigen. Nachbars Lupine hat mir netterweise Kinder geschenkt. Auch Perückenstrauch und mein Zierapfel ließen Nachwuchs aufgehen. So hab ich vorübergehend eine kleine Baumschule aufgemacht in der Hoffnung, die "Kinder" bald verschenken zu können. (Wo tu ich nächstes Jahr bloß meine Kartoffeln hin?) Ja, ein Garten ist nie "fertig" - glücklicherweise, oder?

Der Garten - Ein Ort im Inneren, wie im Äußeren ....

Alles fing an mit dem Schrebergarten meiner Eltern. Da gab es Kirschen und Äpfel, lila Flieder, der herrlich duftete, und jede Menge Blumenrabatten. Die Bauerngärten meiner Großmütter zeigten mir den vorwiegend nützlichen Aspekt. Da gab es vor allem Gemüse. Die Erbsenschoten palte ich genüsslich auf dem Deich aus, wo die Grashüpfer zirpten und die Frösche quakten. Damals gab es in den Wiesen noch unzählige Froschkinder und dementsprechend auch viel mehr Störche.

Heute verbindet mich der Garten mit der Natur. Er ist ein Ort, wo ich sie mitgestalte; wo ich auswähle, was wachsen und blühen soll. Der Garten fordert mich heraus, drängt nach Gestaltung und ist für mich ein Gleichnis für andere Bereiche meines Lebens, zum Beispiel mein Denken. Was mich stört, rupfe ich aus. Was mich freut, pflege ich.

Im Sommer 2016 habe ich meinen Garten in Lochau mit einem Gärtner neu gestaltet. Es sollte der Rasen sich in Wege, Plätze und Beete wandeln. Die Beerensträucher, die am Rand wuchsen, bauten wir weiter innen wieder ein und schufen so außen Platz für Sträucher wie Weigelie, Kolkwitzie und ihre vielen blühenden Kollegen. Im ersten Jahr habe ich mit einjährigen Blumen wie Cosmos, Bechermalven, Löwenmäulchen und Zinnien ein Blütenmeer gezaubert. Die haben meine frisch umgepflanzten Rosen allerdings fast verdeckt. Im zweiten Sommer (2017) bin ich damit etwas sparsamer umgegangen, damit sich die Rosen besser entfalten können. So bietet mein Garten jedes Jahr ein neues Bild, neue Herausforderungen und Freuden. 

Wieder beherzigte ich für Aussaat und Pflanzzeit die Ratschläge von Maria Thun. Mein Lieblingsgerät, die Durchziehhacke kommt zum Einsatz, sobald nach Regenfall der Boden abgetrocknet ist. Sie verschließt die Kapillaren im Boden, durch die sonst das darin enthaltene Wasser verdunsten würde, ohne den Pflanzen zu nützen.  Außerdem bleibt die Erde auf diese Weise locker und bietet dem Unkraut nicht so viele Möglichkeiten zum Einwurzeln.

Wege in geschwungenen Linien führen zu Plätzen, die zum Verweilen, Nachdenken und Lesen einladen. Möge die äußere ästhetische Form bei Besuchern und Betrachtenden innere Prozesse anstoßen und sie zu kreativem Ausdruck ver-führen. 

Es blüht und fruchtet wieder ... überall ...

 

 

   

Und dann setz ich mich mittenrein und schaue und lese und freue mich. Vielleicht habt ihr ja Lust mich zu besuchen. Bringt einfach euer Buch mit oder leiht euch eins aus meiner stattlichen Bibliothek in Birgits Büchergarten ...    Hach, is des gmütlich!