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Lesestoff in Birgits Büchergarten: Aktuell, 26.2.2020, lese ich - klar. Ich lese eigentlich immer - in meinen Geburtstagsbüchern ...

Lisa Wingate, "Libellenschwestern" blanvalet 2017, 478 Seiten: Wie furchtbar, wenn ein Baby vor oder bei der Geburt stirbt! Wie schlimm andererseits, wenn Kinder ohne Eltern in einem Waisenhaus aufwachsen müssen. Der Roman Von Wingate beginnt im Jahr 1939 und fußt auf wahren Begebenheiten, einem Skandal, in dem Kinder zur Handelsware werden. Alleinerziehende Mütter, mittellose Eltern, Frauen in psychiatrischen Einrichtungen, Menschen, die bei der Wohlfahrt Hilfe suchen, gehören zu den bevorzugten Opfern. Ein weites Netzwerk ( Angestellte in Krankenhäusern und Gesundheitsorganisationen, ja sogar Polizisten etc.) von Spähern führt den Kinderhändlern Kinder zu, die bei armen Familien aufwachsen, in diesem Fall bei Flusszigeunern. Die Eltern sind liebevoll und können ihre Kinder versorgen, bis die Mutter bei der Geburt von Zwillingen plötzlich in Gefahr gerät. Während der Vater sie ins Krankenhaus bringt, schlagen die Kinderräuber zu. Besonders schlimm: Es sind Polizisten, die die Kinder vom Boot wegholen und in ein Kinderheim der Organisation "Tennessee Children's Home Society" in Memphis bringen, deren Leiterin Georgia Tann als "Mutter der Adoption" hohe Anerkennung, ja Berühmtheit erlangte. Dorthin werden aber nicht nur Kinder in Not verschleppt, sondern z.T. auf Bestellung auch besonders hübsche Kinder. Da sie für große Summen oft an sehr wohlhabende Eltern in hohen Positionen vermittelt werden, wird ihre Herkunft sorgfältig verschleiert.

Im Heim, das als Auffanglager dient, herrschen Willkür und Quälerei. Es kommen Kinder zu Tode oder werden missbraucht. Die Autorin verzichtet aber auf drastische Szenen. Auch ohne diese wird der Leserin klar, was da passiert. In dieser schlimmen Lage helfen sich die Kinder gegenseitig, so gut sie können. Sehr berührend und authentisch wird auch der Zwiespalt der Kinder beschrieben, wenn ihnen klar wird, dass die neuen Eltern von nun an ihre Familie sind, auch wenn die Sehnsucht nach den leiblichen Eltern noch sehr präsent ist.

Ein bedrückendes Buch, wie der Klappentext es voraussagt: "Dieser Roman wird Ihnen das Herz brechen und es anschließend wieder heilen." Ich gebe gerne die volle Blütenzahl von 10.

Achtung: Beim folgenden Buch handelt es sich um eine Neuauflage eines Romans von 2008 unter anderem Titel, was aber von Rowohlt nicht angegeben wird, und somit m.E. eine höchst fragwürdige Verkaufsstrategie darstellt (hab ich grade bei den Amazon-Bewertungen rausgefunden; vielleicht kennt ihr es also schon).

Spiegel Bestseller Platz 1, "Nächte, in denen Sturm aufzieht" von JOJO MOYES, Rowohlt 3. Auflage 2019, 473 Seiten: Wieviel Tourismus verträgt die Natur? Das ist die zentrale Frage in diesem Roman, der in einer wunderschönen Bucht Australiens angesiedelt ist. Schiffstouren mit Wal- und Delphinbeobachtungen sowie Fischfang halten die überschaubare Bevölkerung am Leben. Abwechselnd aus Sicht der handelnden Personen erfahren wir, wer die Menschen sind, die dort aus unterschiedlichen Gründen "gestrandet" sind. Da ist die Hailady Kathleen, die durch den Fang eines riesigen Tigerhais schon als junges Mädchen berühmt wurde und jetzt eins der Hotels am Ort führt - nun ja, eher eine Pension, die schon mal bessere Zeiten gesehen hat. Sie beherbergt dort auch ihre Nichte Liza und deren Tochter Hannah. Es dauert lang, bis die Leserin einen Teil der Gründe erfährt, warum die beiden sich dort aufhalten:

Liza fühlt sich für den Tod ihrer jüngeren Tochter verantwortlich und fürchtet, dass jede Reise über irgendeine Grenze sie den Behörden ausliefern würde. So darf auch Hannah keine Schulreise mitmachen.

Wie anfällig dieses nur mühsam ausbalancierte Gefüge zwischen Menschen untereinander und der Natur ist, wird klar, als die Silver Bay in den Blick von Investoren gerät, die dort einen Hotelkomplex mit Wassersport ansiedeln wollen. Da kommt der Juniorpartner einer Investmentholding Mike ins Spiel, in dessen Leben es bisher nur eine Richtung gab: Aufwärts! Verlobt mit der Tochter des Chefs, soll er vor Ort die Chancen auf möglichst hohen Profit ausloten, um  Seniorpartner zu werden.

Aber ab da kommt alles anders. Der Zauber des Ortes und der Wale berührt nicht nur uns Leser, sondern auch Mike ;-). Er verliebt sich neu in Liza und riskiert alles, um das Bauprojekt, das er zunächst so gefördert hatte, der Natur und den Menschen zuliebe rückgängig zu machen. Ein wirklich berührendes Buch über Liebe, Freundschaft, Treue und Rücksicht. Es weist nur eine für mich unverständliche bzw. unlogische Komponente auf: Liza will am Ende sich doch den Behörden stellen und mit dem Eingeständnis ihrer Schuld am Tod ihrer jüngeren Tochter auch Sympathie für das Leben der Wale erzeugen. Im Klartext: Sie befürchtet als Mörderin dazustehen und hofft trotzdem so den Walen zu helfen. Für mich ist diese Idee einfach nur abstrus und führt letztlich zu Abzug von Blüten. Da das übrige Buch aber durchaus lesenswert ist und die aktuelle Problematik Natur/Tourismus in sensibler Weise beleuchtet, gebe ich gern 8 von 10 Blüten, zumal gegen Ende des Romans noch ein Schmankerl in Form einer interessanten Wendung geboten wird.

"Die Perlenschwester" von Lucinda Riley hab ich wiedererkannt beim Lesen - wahrscheinlich aus dem Bücherhäusla in Thurnau - und wieder gemocht, wie auch andere Bücher, die ich von ihr habe.

Und dann: "The Mister"! Von E L James. Goldmann Taschenbuch 2019, 600 Seiten Sex sells. Bei soviel Sex- und Liebesszenen zwischen zwei Buchdeckeln braucht es schon sprachliche Begeisterung für das Thema. Und die bringt James mit! Gar nicht so einfach, stell ich mir vor, dabei immer sprachlich neu zu agieren. Die Rahmenhandlung ist überschaubar und würde wohl auf eine gute halbe Seite passen, weshalb ich sie hier auch nicht verrate. James schafft es aber, sie durchaus spannend zu gestalten. Deshalb gebe ich 3 Achtungsblüten von 10. Zugegeben: Ein sehr subjektives Urteil, weil es einfach "nicht mein Ding" war, dieses Buch. Soll ich, oder soll ich nicht ... es ins Bücherhäusla bringen???

Khaled Hosseini, "Traumsammler", Fischer Taschenbuch, 2014, 440 Seiten: Ein poetisches Buch, das mit einem Märchen beginnt. Darin verlangt ein Dämon von den Bewohnern eines Dorfes ein Kind als Opfer. Andernfalls droht dem ganzen Dorf die Vernichtung. Ein Mädchen wird ihm übergeben. Als der Bauer, der den Verlust nicht verkraftet hat, später sein Kind suchen geht, zeigt ihm der Dämon zu seiner Überraschung seine Tochter und die vielen vorher geraubten Kinder in einem Paradies. Sie leiden keine Not, so wie es im Dorf vielleicht gekommen wäre. Als wollte der Autor dies Märchen in die Wirklichkeit eines Romans holen, erzählt Hosseini die Geschichte zweier Geschwister, die getrennt werden, weil die Familie arm ist. Das Buch ist ein langer Weg, der zeigt, wie verbunden sich Menschen fühlen können, auch wenn sie durch Zeit und Raum voneinander getrennt sind. Am Ende finden sich die Geschwister wieder. Wie traurig, dass der Bruder da schon schwer unter Demenz leidet.

Poetisch, mitfühlend, bunt. Wieder mal Glück gehabt ;-) Wegen einiger Längen nach einer erstaunlichen "Zeitraffer"-Pssage ziehe ich  eine Blüte ab: Also 9 von 10 Blüten.

Beverly Harper, "Das Herz von Afrika", Bastei Lübbe, 1997, 446 Seiten voller Spannung, Warmherzigkeit, Freundschaft, tödlicher Feindschaft und Liebe. Alles vor der Kulisse Afrikas, eingebettet in die Geschichte Botswanas vor und während der Unabhängigkeit. Apartheid klingt an und beeinflusst das Handeln der Figuren, wird aber nicht zum Hauptthema. Stattdessen tauchen die Leser ein ins Leben von Alex Theron, der wie ein Weißer aussieht mit seinen blonden Locken, aber wegen der gemischten Ehe seines Großvaters "ein bisschen schwarz" ist. Im Herzen ist er aber zu hundert Prozent seiner Heimat und den Buschleuten der San verbunden, die ihn als Kleinkind verlassen in der Wüste auffanden und bei denen er eine Zeit lang gelebt hat. Auch später hält er Kontakt zu seinen "zweiten" Eltern. Alex ist etwas Besonderes. Es lohnt sich sehr, ihn kennen zu lernen, wobei frau sehr bedauert, dass er "nur" ausgedacht ist. Wundervoll ausgedacht allerdings. Wieder mal Glück gehabt im Thurnauer Bücherhäuschen. Gerne gebe ich 10 von 10 Blüten!