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Lesestoff in Birgits Büchergarten: Aktuell, 23.3. 2019 lese ich - klar. Ich lese eigentlich immer - wieder mal in Funden aus dem Thurnauer Bücherhäuschen. Wieder hatte ich echt Glück: Dicker Wälzer, spannend, historisch. Der Debütroman von C.S. Mahrendorff in der ungekürzten Buchgemeinschafts-Lizenzausgabe der Bertelsmann Club GmbH, 479 Seiten + Anmerkungen: "..Und sie rührten an den Schlaf der Welt". Der Titel klingt poetisch-literarisch. Seine Findung wird auch im Buch erklärt, ist aber das einzige, mit dem ich etwas Schwierigkeiten habe, wenn, ganz am Ende, enthüllt wird, was dahinter steckt. Das will ich hier natürlich nicht verraten, um die Spannung nicht zu verderben, denn ansonsten finde ich das Buch einfach klasse. Was da an sorgfältiger historischer Recherche dahintersteckt, ist nämlich enorm. Und es kommt trotzdem gut lesbar und ungeheuer bewegend und spannend daher. Ich hab´s genossen und gebe gern 9 von 10 Blüten! Der Autor ist bereits 2004 verstorben, der Name ein Pseudonym. Von ihm sind zwei weitere Bücher erschienen: Der Walzer der gefallenen Engel und Das dunkle Spiel.

Nun aber etwas zum Inhalt, zu dem ich eine kleine Passage aus dem Klappentext zitiere: "Ungewöhnliche Spannung, dichte Atmosphäre und überzeugendes Zeitkolorit, eine Fülle von historischen Personen, eine Liebesgeschichte und eine hochbrisante Kriminalaffäre - all das vereinigt der junge deutsche Autor C.S. Mahrendorff in seinem Debütroman." Ehrlich, wenn ich hier eine eigene Zusammenfassung versuchen würde, säße ich zu lange dran - und es warten ja mein Garten und das nächste Buch aus dem Thurnauer Bücherhäuschen schon. Dies leg ich gerne zurück, damit ihr es ebenfalls genießen könnt ... ;-)

Dem gegenüber ein Missgriff: Francisco José Viegas, Schatten der Tiefe, BLT Taschenbuch 2005, 300 Seiten Geschwafel. Angekündigt wird das Buch als "Lebendiges Lokalkolorit" von "atmosphärischer Dichte mit einer fesselnden Kriminalhandlung" (Salzburger Nachrichten)

Vorausblicke, Rückblicke, Gedanken, persönliche Erinnerungen von jedem der zwei Kommissare plus Assistenten; Meinungen von allen - ein ständiges Wortrauschen, das mich gelegentlich vergessen lässt, wer grade spricht, denkt, sich die Umgebung anschaut und von dort seine Gedanken fortstrudeln lässt zu persönlichen Zigarrenvorlieben oder längst vergangenen Liebesabenteuern.Dann sind da nebenbei auch noch drei Leichen mit den jeweiligen Biografien und Beziehungen. So ungeheuer viele Namen und ein Gehopse zwischen Schauplätzen, dass mir schwindelig wird.

Auf Seite 212 streck ich die Waffen, da mich jedes Interesse am "who´s done it?" verlassen hat. Die eigentlich schöne Idee, eine Mordgeschichte auf der EXPO anzusiedeln mit einem überaus seltenen Giftfisch im Mittelpunkt, ersäuft im Wortgeschwalle von Viegas. Zum Schmunzeln hat mich allerdings die Tatsache gebracht, dass er anscheinend in seine Sprache so verliebt ist, dass er sich selbst zitiert. Jawohl! Ganze Passagen aus den frühen Seiten (19 folgende) tauchen völlig identisch S. 128/129 wieder auf. Ein Test ob der Leser noch wach ist?

Dieser Missgriff ist mir wegen der Geduld des Übersetzers oder der Übersetzerin (aus dem Portugiesischen, die nicht mal angegeben sind) bestenfalls 1 müdes Blütchen von 10 wert. Und dieser Mann ist Literaturkritiker, Journalist, Leiter einer Zeitschrift und hat an der Uni von Èvora unterrichtet. Angeblich gehört er heute zu den beliebtesten Krimiautoren Portugals. Schier unglaublich.

Ganz anders das Buch "Frühlingsmond" von Bette Bao Lord, 493 Seiten, Heyne Verlag München, 1981:

Frühlingsmond ist der Name eines Mädchens aus dem Geschlecht der Chang in Soochow. Von ihrem Schicksal und dem ihrer großen Familie handelt das Buch. Passagen aus der chinesischen Geschichte, kleine Märchen und Auszüge aus der Familiengeschichte ergänzen die Romanhandlung. Einiges wusst ich ja schon, z.B. dass chinesischen Frauen aus hochstehenden Familien früher in einem sehr schmerzvollen Prozess die Füße eingebunden wurden, zu sogenannten Goldenen Lilien. Die kleinen Füße und die damit verbundenen Trippelschritte entsprachen dem traditionellen Schönheitsideal; dass Religion,Tradition und Riten früher eine immense Rolle im Familienalltag spielten; dass den Eltern, überhaupt den Älteren, unbedingter Gehorsam geschuldet wurde und Ehen immer arrangiert wurden. Aber wie genau das abläuft, konnte ich mir vor dem Lesen dieses Buches nicht wirklich vorstellen. Das Buch schildert all dies in schönem Stil und eindrücklichen Bildern. Es beginnt nach einem Prolog damit, dass Frühlingsmond ihre vertraute Kinderfrau Pflaumenblüte verliert, die als Sklavin für sie sorgt. Aufgeregt und verzweifelt sucht Frühlingsmond sie. Weder ihre Mutter noch die anderen Frauen wollen ihr Auskunft geben. Erst von einem jungen Onkel, der sie sehr mag, erfährt sie entsetzt, dass Pflaumenblüte als Spielpfand an einen alten Mann gefallen ist. Dies Schicksal veranlasst Pflaumenblüte sich zu erhängen. Frühlingsmond rebelliert und repräsentiert damit den Beginn einer neuen Zeit. Aber nur langsam setzen sich Veränderungen in der zementierten Hierarchie der Familie durch. Bette Bao Lord schildert in dieser Familiensage schonungslos und eindrücklich Stärken und Schwächen des alten Systems und den schmerzvollen, von Bürgerkrieg und Revolution geprägten Übergang in ein modernes China. Ich war sehr beeindruckt von diesem Buch und freue mich mal wieder über die Einrichtung des Thurnauer Bücherhäuschens, ohne das ich auf diesen Roman sicher nicht gestoßen wäre. Ich leg ihn zurück, damit er weitere interessierte Leser erreichen kann.

Bewertung: 10 von 10 Blüten