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Lesestoff in Birgits Büchergarten: Aktuell, 3.2. 2019 lese ich - klar. Ich lese eigentlich immer - nun mal wieder in Funden aus dem Thurnauer Bücherhäuschen. Ich hab grad nicht so viel Lust alle Bücher, die ich zur Unterhaltung in dieser dunklen Winterzeit "fresse" auch zu rezensieren. Aber das Buch einer chinesischen Autorin, die ihre Leser in spektakulärer Weise in die Traditionen und Rituale von chinesischen Familien blicken lässt, mag ich hier kommentieren:

Hier also nun das Buch "Frühlingsmond" von Bette Bao Lord, 493 Seiten, Heyne Verlag München, 1981:

Frühlingsmond ist der Name eines Mädchens aus dem Geschlecht der Chang in Soochow. Von ihrem Schicksal und dem ihrer großen Familie handelt das Buch. Passagen aus der chinesischen Geschichte, kleine Märchen und Auszüge aus der Familiengeschichte ergänzen die Romanhandlung. Einiges wusst ich ja schon, z.B. dass chinesischen Frauen aus hochstehenden Familien früher in einem sehr schmerzvollen Prozess die Füße eingebunden wurden, zu sogenannten Goldenen Lilien. Die kleinen Füße und die damit verbundenen Trippelschritte entsprachen dem traditionellen Schönheitsideal; dass Religion,Tradition und Riten früher eine immense Rolle im Familienalltag spielten; dass den Eltern, überhaupt den Älteren, unbedingter Gehorsam geschuldet wurde und Ehen immer arrangiert wurden. Aber wie genau das abläuft, konnte ich mir vor dem Lesen dieses Buches nicht wirklich vorstellen. Das Buch schildert all dies in schönem Stil und eindrücklichen Bildern. Es beginnt nach einem Prolog damit, dass Frühlingsmond ihre vertraute Kinderfrau Pflaumenblüte verliert, die als Sklavin für sie sorgt. Aufgeregt und verzweifelt sucht Frühlingsmond sie. Weder ihre Mutter noch die anderen Frauen wollen ihr Auskunft geben. Erst von einem jungen Onkel, der sie sehr mag, erfährt sie entsetzt, dass Pflaumenblüte als Spielpfand an einen alten Mann gefallen ist. Dies Schicksal veranlasst Pflaumenblüte sich zu erhängen. Frühlingsmond rebelliert und repräsentiert damit den Beginn einer neuen Zeit. Aber nur langsam setzen sich Veränderungen in der zementierten Hierarchie der Familie durch. Bette Bao Lord schildert in dieser Familiensage schonungslos und eindrücklich Stärken und Schwächen des alten Systems und den schmerzvollen, von Bürgerkrieg und Revolution geprägten Übergang in ein modernes China. Ich war sehr beeindruckt von diesem Buch und freue mich mal wieder über die Einrichtung des Thurnauer Bücherhäuschens, ohne das ich auf diesen Roman sicher nicht gestoßen wäre. Ich leg ihn zurück, damit er weitere interessierte Leser erreichen kann.

Bewertung: 10 von 10 Blüten