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Lesestoff in Birgits Büchergarten: Aktuell, 12.10.2019, lese ich - klar. Ich lese eigentlich immer - wieder mal in Funden aus dem Thurnauer Bücherhäuschen. Manchmal sind unter diesen, oft vor längerer Zeit herausgegebenen Büchern, richtige Schätzchen...

und dicke "Schinken", was mir sehr entgegen kommt, da ich mich gern an die Personen eines Romans "gewöhne". Nur manchmal, so wie grade jetzt, fehlt mir die Zeit für neue Buchbesprechungen...

Da kommt mir der dicke Roman der irischen Autorin Maeve Binchy gerade recht: "Ein Haus in Irland", 669! prallvolle Seiten, Droemer/Knaur Nachf. 1999. Der Plot klingt einfach: Hausfrau und Mutter Ria Lynch aus Dublin erfährt, dass ihr Mann Danny sie mit einer sehr viel jüngeren Frau, Bernadette, betrügt, die ein Kind von ihm erwartet. Die beiden gemeinsamen Kinder Brian (10) und Annie (14, überzeugend schlecht gelauntes Pubertier) bringen ordentlich Stimmung in die Trennungsgeschichte. Vor allem Sohn Brian, der das sogenannte Fettnäpfchen erfunden zu haben scheint. Bichy hat ein großes Herz für die zahlreichen männlichen und vor allem weiblichen Charaktere, die ihren Roman bevölkern. Starke, schwache, attraktive, sparsame, betrügende Frauen - charmante, hilfsbereite, versoffene, gewaltbereite, untreue Männer. Mag auch manches klischeehaft wirken, so überzeugen ihre Personen durch viele charakterliche Details und werden sehr lebendig. Ria nimmt die Chance für einen Häusertausch mit Marilyn Vine, USA, wahr, die ein ganz anderes Problem hat. Sie hat den Tod ihres Sohnes nicht verkraftet und braucht Abstand, sogar zu ihrem Mann, mit dem sie darüber nicht reden kann. Die Lerserin bekommt es mit vielen Personen zu tun: Rias und Marilyns Verwandte und Freunde ergeben eine wirklich stattliche Anzahl. Da auch noch die Perspektivwechsel zwischen den Haushalten und Ländern zu verkraften sind, ist das Lesevergnügen nur dann groß, wenn frau sich Zeit nehmen kann für dieses dicke Buch. Am besten legt sie es gar nicht mehr weg - und das fällt leicht. Es ist spannend, unterhaltsam und zieht in den Bann. So zupfe ich nur eine Blüte ab, weil ich des öfteren wirklich überlegen musste, wer und wo jetzt grade spricht, leidet, liebt ;-) Also 9 von 10 Blüten - aber die gerne!

Wieder mal Glück gehabt mit einem Australienroman: Johanna Nicholls, "Die Blüte des Eukalyptus", Goldmann 2011, 730 Seiten, also richtig was zum Dauerschmökern. Zeit der Handlung: Anfang des 19. Jahrhunderts, als Australien immer wieder von Kolonialmächten genutzt wird, um dorthin Strafgefangene zu deportieren. Gleich mehrere Schicksale beschreibt das Buch, die teils miteinander verflochten sind. Wahre Heldenreisen. Vor allem die Suche von Keziah Stanley, die ihrem deportierten Ehemann nachreist. Eine gefährliche Odyssee zu einer Zeit, als alleinreisende Frauen durchaus keine Selbstverständlichkeit sind. Spannend von der ersten bis zur letzten Minute. Ich habe diese Reise sehr genossen. 10 von 10 Blüten.

Meine neueste Entdeckung: Evelyn Peters, zwei Romane in einem Buch: "Eine verheiratete Frau" und "Eine geschiedene Frau",250 und 280 Seiten; Ullstein 1995. Peters ist Jahrgang 1925, war Schauspielerin, Redakteurin und Schriftstellerin. Was sie über die Liebe und die Frauen schreibt ist jedoch durchaus aktuell und hat mich sehr berührt. Sie kennt die Schicksale der Frauen ihrer Zeit, die oft in Unterordnung und Pflichterfüllung bestanden. Sie schildert uns aber in beiden Romanen, wie sie sich aus gesellschaftlichen Zwängen und Meinungen befreien und ihre eigenen Wege erproben. Das geht freilich nicht ohne Opfer ab. Aber, was ist denn wichtiger: Sich selbst zu finden und sich dann treu zu bleiben, oder im gewohnten Rollenbild zu erstarren? Besonders ihre genaue Beobachtungsgabe hat mich fasziniert, durch die ihre Charaktere authentisch und bildhaft zum Leben erweckt werden. Gerne 10 von 10 Blüten.

Grade habe ich einen Doppelband von David Docherty beendet. "Der zweite Tod" und "Die wahren Herzens sind". Erschienen bei RM Buch und Medien Vertrieb GmbH, 2000. Der Autor ist Journalist, Schriftsteller, Wissenschaftler (Wikipedia). Die Romane hielten mich wirklich im Bann. Der erste handelt vom Kampf gegen den "zweiten Tod", wobei sich mir der Sinn des Titels nicht so ganz erschlossen hat. Im englischen Original heißt der Roman "The Spirit Death". Eine Geschichte einer skrupellosen Holzmafia, die um ihre Geschäfte nicht zu gefährden ein kleines Eingeborenen-Dorf ausrotten lässt, in dem  ein lebensgefährliches Virus wütet. In der Folge kommt es zu einer Ausbreitung bis nach London, wo die Seuche dazu führt, dass Politiker in ein Dilemma geraten. Sollen ein paar Menschenleben geopfert werden, damit nicht ganz London, England und womöglich die ganze Welt in eine Gefahr gerät, so groß, wie sie einst die Pest dargestellt hat? Sehr spannend! 9 von 10 Blüten.

Der zweite Roman rankt sich um eine Platinmine in England. Platin, das zum Bau von umweltfreundlichen Autos gebraucht wird, erzeugt beim Abbau giftige Stoffe, (irre, oder?) die in einem Stausee gesammelt werden. Die Katastrophe: Der Damm bricht. giftiger Schlamm verteilt sich in der Natur. Sabotage? Profitgier? Auch seeeehr spannend! 10 von 10 Blüten.