Home
Die Gärtnerin
Der Garten
Raum zum Schreiben
Märchenbrunnen
Freiraum
Lesestoff
Aktuelles
Termine
Kontakt u. Weg
Impr.u. Datenschutz
Links

Aktuell, 3.11. lese ich - klar. Ich lese eigentlich immer - nun in Christine Brückners Poenichen-Trilogie... Soviel kann ich schon sagen: Ich bin begeistert!

Aber zunächst die Rezension von Pascal Merciers "Nachtzug nach Lissabon", btb Taschenbuch 53. Auflage, für den ich mir echt viel Zeit gelassen habe, da ich bei einem früheren Leseversuch nach ca. 20 Seiten gescheitert war. In der Rahmengeschichte verlässt der Lateinlehrer Raimund Gregorius, genannt Mundus, mitten im Unterricht die Klasse und unternimmt fasziniert die Erforschung des Lebens eines portugiesischen Autors, dessen philosophische Gedanken in Ansätzen zitiert und ausführlich als Übersetzung wiedergegeben werden. Seine mitfühlende Art ermöglicht ihm, mit noch lebenden Zeitzeugen von Amadeu de Prado in Kontakt zu treten. An seiner Seite bekommen wir, die Leser, Einblick nicht nur in sein neues Leben, sondern auch in das des ehemaligen Arztes und Wiederstandskämpfers Prado.

Mein Fazit: Frau braucht die richtige Stimmung für dieses doch recht beschauliche Buch, in dem es viel um essentielle Lebensthemen geht. Um Würde, Schmach, Loyalität, Liebe, Verlust. Ich habe mich diesmal darauf einlassen können und erfuhr eine reiche Zeit des Nach-Denkens mit entsprechend wert(e)voller Ernte. Gern gebe ich die volle Blütenzahl von 10! Ausführlicher kann die Rezension dieses gehaltvollen Buches in Birgits Büchergarten an dieser Stelle nicht sein. Leider.

 

ich habe mal "Die Vegetarierin" (atb Aufbau Taschenbuch) von der südkoreanischen Autorin Han Kang dazwischen geschoben. Das sei ein schräges Buch, meinte Susanne, als sie es mir gab. Ich stimme zu. Was den familiären Einfluss auf ein Menschenleben betrifft, der z.T. verheerend belastend sein kann, so trifft sich dies Buch mit Pascal Merciers Nachtzug auf verblüffend ähnliche Weise. Hier weniger philosophisch, sondern eher drastisch erzählt. Der Titel ist Programm: Eine junge Frau entschließt sich von heute auf morgen Vegetarierin zu werden. Niemand in ihrem Umfeld kann aber ihren speziellen Grund wirklich nachvollziehen. Weder gesundheitliche noch ethische Gründe scheinen eine Rolle zu spielen. Ihrem Mann erscheint sie mit der Zeit nicht nur seltsam, sondern sogar widerlich, ja verrückt. Ihr Schwager jedoch, ein Künstler, erreicht sie, indem er ihren Körper mit Blumen bemalt. Darüber findet sie in eine neue lustvolle Sexualität. Als ich das kapierte, musste ich echt lachen. Das nenne ich mal konsequent vegetarisch. Fleischliche Lust ins Pflanzliche transponiert. Da entdeckte ich auch im Titelbild des Romans immer mehr. Was wie eine Ton in Ton gehaltene Blütenkomposition wirkt, erweist sich bei genauem Hinsehen als eine Kombination von Blüten, menschlichen Körperteilen wie Zunge und Fingern, aber auch einer Scheibe Fleisch.

Wenn ich das Buch als Experiment im Kreativen Schreiben ansehe, das die Autorin auch am Kulturinstitut in Seoul unterrichtet, bin ich begeistert und beeindruckt von der Konsequenz, mit der sie ein Gedankenexperiment schreibend zuende führt. Als Roman an sich, hätte ich mir diesen Lesestoff aber wahrscheinlich nicht ausgesucht. Trotzdem vergebe ich 8 von 10 Blüten, weil sie zeigt, wie frau beim Schreiben auch mal über Hemmschwellen hinwegtanzen darf.