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Lesestoff in Birgits Büchergarten: Aktuell, 10.8.2019, lese ich - klar. Ich lese eigentlich immer - wieder mal in Funden aus dem Thurnauer Bücherhäuschen. Manchmal sind unter diesen, oft vor längerer Zeit herausgegebenen Büchern, richtige Schätzchen...

und dicke Schinken, was mir sehr entgegen kommt, da ich mich gern an die Personen eines Romans "gewöhne". 

Ein schrecklich schönes Buch, der Roman von Donna Tartt. Schrecklich wegen der darin erzählten Geschichte und schön wegen der sprachlichen Brillianz der Autorin, die sich durch die gekonnte Übersetzung von Rainer Schmidt auch im Deutschen findet. Aber von vorn: Donna Tartt, "Die geheime Geschichte", Goldmann Taschenbuch, Nov. 2003, 572 Seiten. Für diesen Roman erntete die Autorin euphorisches Lob, wurde mit Twain, Dickens, Faulkner und Chandler verglichen. Die Geschichte wird in der Ich-Form erzählt von einem jungen Studenten, Richard, in Vermont, USA. Dank seiner profunden Kenntnisse des Altgriechischen bekommt er Anschluss an eine exklusive Gruppe von Studenten, die von dem charismatischen Lehrer Julian unterrichtet werden. Der Hintergrund für den Titel des Buches wird unerwartet gleich zu Beginn im Prolog enthüllt, was vermuten lässt, dass es überhaupt nicht um die Aufklärung eines Verbrechens gehen wird, sondern viel mehr um die Beobachtung der Gruppe, als sie sich mit den psychologischen Folgen ihrer Tat konfrontiert sieht. Daraus resultiert ein weiterer Mord, eine gemeinschaftliche Hinrichtung eines der Jungen, Bunny, der zu einem zu großen Risiko geworden ist. Für mich war das Buch  anstrengend. Die täglichen Eskapaden, was Alkohol und Drogen angeht, die zunehmende Verschlampung und Aggression erzeugen eine Düsternis, die sehr schwer auszuhalten ist. So bleibt bei mir die Frage: An welche Lesergruppe richtet sich dieser Roman? WEM würde ich ihn empfehlen? Niemand, ehrlich gesagt. Trotz aller sprachlichen Brillianz. So vergebe ich nur 6 von möglichen 10 Blüten.

Wieder mal Glück gehabt mit einem Australienroman: Johanna Nicholls, "Die Blüte des Eukalyptus", Goldmann 2011, 730 Seiten, also richtig was zum Dauerschmökern. Zeit der Handlung: Anfang des 19. Jahrhunderts, als Australien immer wieder von Kolonialmächten genutzt wird, um dorthin Strafgefangene zu deportieren. Gleich mehrere Schicksale beschreibt das Buch, die teils miteinander verflochten sind. Wahre Heldenreisen. Vor allem die Suche von Keziah Stanley, die ihrem deportierten Ehemann nachreist. Eine gefährliche Odyssee zu einer Zeit, als alleinreisende Frauen durchaus keine Selbstverständlichkeit sind. Spannend von der ersten bis zur letzten Minute. Ich habe diese Reise sehr genossen. 10 von 10 Blüten.

Meine neueste Entdeckung: Evelyn Peters, zwei Romane in einem Buch: "Eine verheiratete Frau" und "Eine geschiedene Frau",250 und 280 Seiten; Ullstein 1995. Peters ist Jahrgang 1925, war Schauspielerin, Redakteurin und Schriftstellerin. Was sie über die Liebe und die Frauen schreibt ist jedoch durchaus aktuell und hat mich sehr berührt. Sie kennt die Schicksale der Frauen ihrer Zeit, die oft in Unterordnung und Pflichterfüllung bestanden. Sie schildert uns aber in beiden Romanen, wie sie sich aus gesellschaftlichen Zwängen und Meinungen befreien und ihre eigenen Wege erproben. Das geht freilich nicht ohne Opfer ab. Aber, was ist denn wichtiger: Sich selbst zu finden und sich dann treu zu bleiben, oder im gewohnten Rollenbild zu erstarren? Besonders ihre genaue Beobachtungsgabe hat mich fasziniert, durch die ihre Charaktere authentisch und bildhaft zum Leben erweckt werden. Gerne 10 von 10 Blüten.

Grade habe ich einen Doppelband von David Docherty beendet. "Der zweite Tod" und "Die wahren Herzens sind". Erschienen bei RM Buch und Medien Vertrieb GmbH, 2000. Der Autor ist Journalist, Schriftsteller, Wissenschaftler (Wikipedia). Die Romane hielten mich wirklich im Bann. Der erste handelt vom Kampf gegen den "zweiten Tod", wobei sich mir der Sinn des Titels nicht so ganz erschlossen hat. Im englischen Original heißt der Roman "The Spirit Death". Eine Geschichte einer skrupellosen Holzmafia, die um ihre Geschäfte nicht zu gefährden ein kleines Eingeborenen-Dorf ausrotten lässt, in dem  ein lebensgefährliches Virus wütet. In der Folge kommt es zu einer Ausbreitung bis nach London, wo die Seuche dazu führt, dass Politiker in ein Dilemma geraten. Sollen ein paar Menschenleben geopfert werden, damit nicht ganz London, England und womöglich die ganze Welt in eine Gefahr gerät, so groß, wie sie einst die Pest dargestellt hat? Sehr spannend! 9 von 10 Blüten.

Der zweite Roman rankt sich um eine Platinmine in England. Platin, das zum Bau von umweltfreundlichen Autos gebraucht wird, erzeugt beim Abbau giftige Stoffe, (irre, oder?) die in einem Stausee gesammelt werden. Die Katastrophe: Der Damm bricht. giftiger Schlamm verteilt sich in der Natur. Sabotage? Profitgier? Auch seeeehr spannend! 10 von 10 Blüten.