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Zur Zeit lese ich "Was vom Tage übrig blieb" von Kazuo Ishiguro, der 2017 den Literaturnobelpreis erhielt; sein Roman ist bei Heyne erschienen. Der Klappentext verspricht die "bittersüße Liebesgeschichte zweier Bediensteter in einem englischen Herrenhaus", was für mich aber nicht hauptsächlich ausschlaggebend war, dies Buch auszuwählen.

Nun ja, auf Seite 193 von insgesamt 288 spielt die Liebe bisher nicht wirklich eine Rolle. Butler Stevens, der seine Lebensgeschichte in der Ich-Form erzählt, hat die meisten seiner Lebensjahre im Dienst von Lord Darlington in Darlington Hall verbracht. Und von seinem Alltag, seinen Überzeugungen, seinem Berufsethos erfahren wir in auf mich  sehr authentisch wirkender Sprache. Von Dienstplänen, von der Kunst des Silberputzens, aber auch von großen Gesellschaften und den speziellen Herausforderungen, die diese für das Hauspersonal bedeuten. Insbesondere beeindruckt die Schilderung der Vorbereitung einer "inoffizellen" (laut Stevens) Konferenz, "die sich mit der Frage beschäftigen sollte, wie die härtesten Bestimmungen des Versailler Vertrages revidiert werden könnten." ( Zitat Seite 93) Ruhig und unaufgeregt kommt dieses Buch daher und stellt uns Stevens als einen eher hölzernen Typus vor, der große Mühe hat mit den humorvollen Anspielungen seines neuen Dienstherren Mr. Farradays, eines Amerikaners, umzugehen. Dieser schickt Stevens auf eine Rundreise durch England, während der der Butler Zeit hat sein Lebensresümee vor uns auszubreiten.

Wie gesagt, ein ruhiges Buch, das mich aber bis jetzt keineswegs langweilt. Für stille Winterabende am Öfchenfeuer bestens geeignet - bloß nicht für Leser, die es gern etwas spannender mögen ;-)

Bin gespannt, ob Stevens, was Miss Stenton angeht, noch in die Pötte kommt ;-)